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Fähnrich Veit

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Tagebuch

3 Tage vor dem Christtag im Christmonat Anno Domini 1454, Winterlager

Träge setzte ich mich auf, ein Blick nach rechts bestätigt was ich mir schon dachte „ Verdammt, besonders hübsch ist das Weibsbild aber nicht“. Egal, denk ich mir, dafür hatte ich es schön warm in dieser Nacht. So leise wie möglich schlag ich die warmen Felle beiseite und schlüpfe in meine Kleider, schon fröstelt es mich, und mir fällt wieder ein, wie sehr ich die Winterlager hasse. Noch das Schwert umgeschnallt und raus aus dem Zelt, Gott sei dank unbemerkt. Nicht dass sie, hm, den Namen hab ich wohl schon wieder vergessen, falls ich ihn je wusste, sich irgendwelche falschen Hoffnungen macht. 

Der Gamaret ist der Erste, der mir draußen über den Weg läuft und so wie der mich böse anschaut, kann ich mir nur denken, dass ihm diese Nacht ziemlich kalt war. Hat nicht er die Magd, neben der ich heute aufgewacht bin, aus dem Dorf mitgenommen, frage ich mich!? Irgendwann schneidet er mir wohl die Kehle durch.  

Ein Blick ins Lager bestätigt meine Kopfschmerzen. Das übliche Bild, der Provost hat’s nicht ganz in sein Zelt geschafft und liegt zur Hälfte im Freien, irgendwer dürfte ihn dann noch zugedeckt haben, der Tregenreuter schnarcht lautstark direkt beim Feuer und auch die, die ihren morgendlichen Pflichten nachkommen, wirken äußerst angeschlagen. Wieder haben sich gestern alle sinnlos betrunken, selbst ich und das kotzt mich an! Nicht dass ich nicht gerne mal einen über den Durst nehme, aber ich trinke lieber auf einen Sieg in der Schlacht, als einfach um mir die Zeit zu vertreiben! Verdammtes Winterlager, denk ich mir da schon wieder, es gibt einfach nichts zu tun! Nach einem Monat Schnee, Matsch und Kälte, hat man es sich bereits mit jedem Weibsbild in der Umgebung verscherzt und mit der Hälfte ihrer Ehegatten eine zünftige Keilerei hinter sich. Und dann kommt die Langeweile.

 Nach den letzten Jahren, die hohen Blutzoll gefordert haben, sind wir jetzt endlich wieder eine recht stattlich Truppe. Na gut, denk ich mir, dann kümmern wir uns mal darum, dass wenigstes ein paar von den Neuen auch noch das nächste Winterlager erleben. Der Hauptmann hat mit den Exerzitien schon begonnen, und da zeigt es sich wieder, wer trinken kann, muss auch kämpfen können. Der Hauptmann kennt da kein Mitleid und jeder Humpen Bier zu viel verwandelt sich prompt in einen anständigen Bluterguss. Ja, dass müssen die Neuen noch lernen, denn so versoffen die altgedienten Knechte auch wirken, wenn es darauf ankommt, hat jeder von ihnen schon oft genug bewiesen, was er wert ist.

 Nachdem ich mich ordentlich abreagiert hatte, hat sich auch meine Laune ein wenig gebessert und ich mache es mir beim Feuer gemütlich. Der Syml hat schon wieder dieses gewisse Grinsen im Gesicht, welches er nicht ganz unterdrücken kann, der Provost nickt ihm zu und streichelt zufrieden seinen Flohfänger von Köter, der Tregenreuter pfeift gut gelaunt vor sich hin, während er den Eintopf für die Truppe zubereitet, und ich weiß, dass für heute Abend wieder ein Fass Bier bereit stehen wird. Wie und wo sie das jedes Mal auftreiben, will ich weiter gar nicht wissen.

 Ob die Eine von gestern wohl schon gegangen ist?

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