
Irmelind vom Stiftsreith
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Geboren an einem Sonntag und noch dazu mit zwei Haarwirbeln, wurde Irmelind eigentlich ein Leben voll Glückseligkeit und Erfolg vorausgesagt. Ihre überaus fruchtbare Mutter brachte sie aber als das Neunte von siebzehn Kindern auf die Welt, und da Irmel ein verträumtes und leicht abzulenkendes Mädchen war, war es kein Wunder, dass sie schon als Kleinkind eines Tages am Dorfkirchenfest in der Menge verloren ging. Noch bevor dies den Eltern aufgefallen war, wurde Irmel von einem kinderlosen Roma-Ehepaar entdeckt und kurzerhand mitgenommen, denn dieses Zigeunervolk misst ihren Reichtum an der Größe ihrer Kinderschar, und in ihrer Verzweiflung, da sie selbst keine Kinder zeugen konnten, waren Irmels Zieheltern mittlerweile zu allem bereit. Der Clan, dem sie von nun an angehörte, übte sich in der Tätigkeit der Lovari, der Pferdeführer, aus. Und so lernte sie auf ihren Reisen, die sie hoch in den Norden und weit in den Süden führten, zu musizieren, zu tanzen, geschickt zu reiten und vor allem allerhand Rosstäuschertricks wie man einen alten, eingefallenen Gaul wieder jung und kräftig erscheinen lassen und diesen dann dem nächstbesten Ahnungslosen um gutes Geld andrehen konnte. Denn da sie nicht wie eine Romni aussah, wurden die Käufer nicht misstrauisch, und so fühlte sich ihr Clan durch sie nicht nur von Nachwuchs, sondern auch von Geld gesegnet.
Viele glückliche Jahre verbrachte Irmel mit dem lustigen, bunten Trupp, und wo ihre ursprüngliche Heimat war, hatte sie schon lange vergessen. Doch das Misstrauen der einheimischen Bevölkerung gegen die herumstreunenden Zigeuner wurde immer größer und die Gerüchte, sie wären mit dem Teufel verbündet und würden Kinder stehlen, wurden immer zahlreicher und lauter. Der Weisenrat beschloss daraufhin, dass es zu gefährlich sei, Irmel weiterhin mit sich zu führen, da der Anblick des hellhäutigen Mädchens unter den Zigeunern den Groll der Landsleute nur verschlimmerte. Sie gaben sie in die Obhut eines wandernden Mönchs, welcher im Herzogtum Kärnten und in der Südsteiermark umherzog und mit köstlichem Klosterbier und selbstgebranntem Schnapps seinen Handel trieb. Der Mönch war der Meinung, dass das wandernde Händlerleben, vor allem wenn man mit so feinem Gut handelte, ein gefährliches war, und damit sie sich gegen hinterhältige Raubmörder wehren konnten, legte er viel Wert darauf, dass auch Irmel den Umgang mit der Waffe erlernte. Da sie so manche umherziehende Söldnertruppe mit ihren Erzeugnissen versorgten, unter anderem auch die weitbekannten Soldknechte aus Kärnten, durfte Irmel beizeiten Unterricht beim Hauptmann Ulrich und beim Provost Fridhoff nehmen, was ihr viel Vergnügen bereitete. Während dieser Zeit knüpfte sie immer mehr Freundschaften zu den rauen aber doch liebenswerten Gesellen, bis sie eines Tages beschloss, den Hauptmann zu bitten, sie in der Compania aufzunehmen. Der weise Hauptmann erkannte zwar, dass sie noch kein für die Soldknechte nützliches Handwerk erlernt hatte, sie aber willig war, hart zu arbeiten und mitzuhelfen wo sie nur konnte. Und so war er gnädig.
Im anderen Leben komme ich aus Oberösterreich und studiere seit 2008 Biologie an der KF in Graz. Ich habe auch nur vier Geschwister und weiß meistens noch, wo ich wohne …
