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Provost Hemml Wittowec

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Tagebuch

Tag des Hl. Saturninus im Wintermonat Anno Domini 1453

Na Tage gibt’s da denk der einfache Söldner, wie ich es bin er ist nicht ganz klar im Kopfe. Da denkt er die Sau hat gefurzt. Na da steht die Welt am Kopf. Anfangen will ich am Besten am Anfang. Ja genau, am Anfang, des is des Beste.

Also, früh morgens …

Es dämmert grad, I lieg beim Lagerfeuer, des glüht noch a bissl, mei Schädel brummt, war wohl doch n Humpn zviel letzte Nacht. Kann mi nit erinnern. Steh auf, kratz mi am Schädel und schau mi verwirrt um, da Hund is de Nacht neben mir glegen, des feige Viech, getraut sich ja sonst nirgends hin, weil der vom Gauglerhof ihn ja de ganze Zeit haut. Jetzt schaut er mi schon wieder so an, mit seine feigen Augn. Da muss i immer grinsen. Na eigentlich is er ja a Liaber. Tät mi a zu ihm runterbückn und ihn streichln, wenn ma nit grad so schwindlig und schlecht wär.

„ … WITTOWEC“, die Stimm vom Hauptmann „SO EINEN EINSATZ LOBE ICH MIR, NOCH VOR SONNENAUFGANG WACH UND SOFORT NACH DEM RECHTEN SEHN“. Da steht er a schon vor mir, der Hauptmann, I schau ihn nur verwirrt an und sag: „JAWOHL, SO WIE SICH DAS GEHÖRT HERR HAUPTMANN!“ Hoffentlich merkt er s nit dass i nach Fusel stink. Richt  schnell meine Haar und zupf mei Gwand zrecht und streng mi an grad zu stehn während er was von wichtigen Aufgaben redet, in meine Hände, das Lager, die andern Knechte. I hör ihm garnit richtig zu, schau runter zum Hund, wie der schon wieder schaut. „… WITTOWEC, IHR SEID EIN GUTER MANN, AUF EUCH KANN MAN SICH VERLASSEN“, sagt er „EIN PFUNDSKERL“ meint er, dass ich einer bin. „SORGT MIR WÄHREND MEINER ABWESENHEIT“ er ritt ja in die Kirchn, oder sonst wo hin, also „SORGET MIR DAFÜR, DASS JEDER EINZELNE SOLDKNECHT SEINEN DIENST UND SEINE PFLICHT IM LAGER ERFÜLLT, DASS JEDER DEN EXERCITIA NACHGEHT, DIE WACHEN AUFGESTELLT, DIE FEUER, KEINE UNSITTE, …“ na da hat er noch so einigs gsagt was i mir nit gmerkt hab, und was a gar nit so wichtig is, i kenn mi ja aus, auf jeden Fall, soll i halt schaun dass vorn und hintn alls passt im Lager. „WEITERS SORGET MIR PERSÖNLICH DAFÜR, DASS UNSER LAGER REICHLICHST MIT BRENNHOLZ UND PROVIANT VERSORGT IST“, und da denk i ma doch – was? warum denn i … Provost bin i vom Rang, und a Provost der braucht doch sowas nit tun, der braucht nur die andern schicken, ha genau, I werd einfach den Gamaret schicken. I war ja am Hof vom Vater schon immer zfaul, deswegn bin i ja a gangen, weils viel zu anstrengend war de verdammte Arbeit als Bauer. Und als Provost kann i s mir gut gehen lassen. Außerdem geht’s mir nit so gut heut, tät mi am liebsten wieder niederlegen, des mach i dann, wenn der Hauptmann weg is. „ALSO PROVOST WITTOWEC, DAS LAGER IN EURER HAND, GEGEN ABEND KEHRE ICH ZURÜCK“, sagt er noch zu mir, dann dreht er sich schon um, schwingt sich auf sei Pferd, und is schon weg.

Der Hund, wie der schon wieder schaut, tät gern wissen was der denk, nix wahrscheinlich, dumm wie der is, dumm wie Stroh. I grins kurz, gähn dann und beweg mi ins Zelt. Wie´s in dem Zelt schon wieder ausschaut, überall Zeugs, der Vom Gauglerhof is a Dreckssau, liegt da und schlaft, am liebsten tät i ihn treten, wie der immer den Hund tritt. Aber jetzt bin i nur müd, und wenn der des darf, dann darf i des a. Schlafen. Bin ja der Provost. Schiab a bissl was von dem Zeugs zur Seiten und leg mi nieder, nur für a kurze Zeit. Schau dann noch den Hund an, feiges Viech, steht beim Zelteingang und schaut abwechselnd den Gauglerhof und dann mi an. Traut sich wohl nit einer. Mit am Grinser schlaf i ein.

Als I dann aufwach, de Kopfschmerzn nit besser, der Gauglerhof weg und da Hund wieder mal neben mir. Steh auf, schnall mir mei Schwert um und geh mal raus aus m Zelt. Schon verdammt hell, fast schon zu hell für meine Augen, dürft Mittag sein, denk i mir, Kratz mi am Kopf und schau mi mal um. De ganze Truppn lungert um a paar Tische rum, Trommelei, Flötespiel, Gelächter, Gschrei, da Veit wieder mal bei de Weiber, a paar neue aus dem Dorf. A paar Fässer stehn da, und was da drin is, kann i ma schon denken. Billigster Fusel. Der Gamaret steht da mit m Gauglerhof, Messerwerfen, und beide ham da an Humpen in der Hand, aus dem sie eifrigst um de Wett trinken., unser neuer Feldscher liegt schon beim Baum, und schläft, für den wars wohl schon zviel heut. Und würfeln tun sie, um des bissl Sold was se verdienen, dass wenigstens einer von de schirchen Hund ins Dorf, zu de Huren gehen kann. Da Koch, der Tregenreuter, steht beim Feuer und richt grad was an.

I geh nur rüber zu de Leut, da Gamaret und da Gauglerhof grinsen mi an, trinken weiter, de wissen was jetzt kommt. I stell mi zum Tisch, richt mi zu voller Größe auf und schau de Leut an, streng, unzufrieden, ernst. De Musik hört auf. De drei Neuen aus m Dorf, schaun mi ängstlich an. De wissen ganz genau dass Glückspiel und Alkohol im Lager verboten is. Und de wissen a, dass i als Provost zuständig bin, dass sowas nit vorkommt. „SOSO“ sag i nur, ernst, mach a Pause und schau ihnen dabei in de Augen. Stille, wie de sich anscheissn, des machen de Neuen immer. Da Gamaret und da Gauglerhof grinsen no immer. „GLÜCKSPIEL, ALKOHOL, UND WEIBER AUS DEM DORF“, i weiß ganz genau, dass mir der strenge Ton nit liegt, und jeder der mi kennt kann dabei nur grinsen. Aber die Neuen sind schon ganz bleich. „KEINE DISZIPLIN, UNSITTE IN UNSEREM LAGER … UND ICH HEMML NICHT DABEI“, jetzt muss i auch grinsen, der Gauglerhof reicht ma an Humpen.

I heb ihn an und sag „ALS PROVOST ERKLÄR ICH DEN FUSELAUSSCHANK  FÜR ERÖFFNET“, schließlich bin i ja Provost, und des is eine von meine Aufgaben. Leere den Humpen, merk schon dass des Kopfweh besser wird, und dass es bei dem einen Humpen nit bleiben wird, Musik setzt wieder ein.

Gesell mich zu den anderen, spiel eifrigst mit, vielleicht kann ja i zu de Huren. Was soll ma denn sonst mit m Sold. Natürlich hab i nit gwonnen, was solls, is eh immer das gleiche, dafür hab i umso mehr getrunken.

Da Veit is dann irgendwann verschwundn, wann des weiß i nicht mehr so genau, die Weiber aus m Dorf auch, und die Fässer warn dann a irgendwann leer, wo de überhaupt her warn? Und wir alle warn betrunken, und irgendwann is es dann dunkel gworden. Und da is es mir dann wieder eingfalln, des mit dem Hauptmann, und da hab i dann noch schnell zu de Leut gsagt von wegen Brennholz, Proviant, Wachen, Feuer, Sitte, Pflicht … nur i glaub de haben mich nit so recht verstanden, oder wollten sie mi nit verstehn. Naja, ich meine Plicht erfüllt, Aufgaben an Soldknechte verteilt, schlief dann seelenruhig am Tisch ein, der Hund am Boden neben mir.

„PROVOST WITTOWEC!“, de Stimm vom Hauptmann, der steht vor mir, i lieg noch leicht seitlich beim Tisch, richt mi auf schau mi um „SAPPERLOTT – ALSO ICH MUSS MICH DOCH SEHR WUNDERN“, alles is still, dunkel is es, I stink nach Alkohol, de Fässer und Humpen liegen noch rum, der Gamaret liegt jetzt beim Baum, neben dem Feldscher, aber des Lagerfeuer brennt und da Gauglerhof steht mitm Spieß Wache. Des is gut denk i ma, auf den is verlass. „WAS BEI DER JUNGFRAU MARIA IST HIER VORGEFALLEN, PROVOST WITTOWEC?“, mei Kopf schmerzt. Hab eigentlich gar ka Lust ihm zu antworten, wüßt auch nicht was, am liebsten tät ich mich niederlegen. „WITTOWEC?“, seh den Koch und de drei neuen, sind beim Lagerfeuer eingschlafn, und irgendwer liegt noch beim Stroh für die Pferde. Kratz mich am Kopf und schau dann den Hauptmann an. Sieht ziemlich erzürnt aus. „WILL ER MIR NICHT ANTWORTEN, PROVOST WITTOWEC?“, da kommt dann der Gauglerhof mit m Spies, der erzählt m Hauptmann irgendwas von wegen, ich meine Pflicht erfüllen wollen, Bauer mit Fusel, Hör garnicht richtig zu, unheilige Mixtur von einem türkischen Magier, alle die trinken vom Glauben abfallen, Zwist und Hader unter den Menschen. Hat ne ganze Weile auf n Hauptmann eingredet, des is schon a Teufelskerl der Gauglerhof, lügt dass sich de Balken biegen. Also der Hauptmann schaut mi dann nur verwirrt an und sagt: „PROVOST WITTOWEC; ENTSPRICHT DIES DER WAHRHEIT?“, I kratz mi am Kopf und nick, worauf der Hauptmann irgendwas von morgen sagt und im Zelt verschwindet.

I schau den Gauglerhof an, der grinst, i schüttel nur den Kopf. Der hat was gut bei mir, denk i mir und schau runter zum Hund, wie der mi schon wieder anschaut, des dumme Vieh. Beweg mi dann ins Zelt, wie s da schon wieder ausschaut, der Gauglerhof de verdammte Dreckssau, überall Zeugs, irgendwann sollt i ihn haun, denk i mir, wie er immer den Hund haut, aber jetzt bin i nur müd, und wenn de andern des dürfen dann darf i des a – schlafen.

Tag der Hl. Paulina im Lenzmonat Anno Domini 1454, Fest bei den Getreuen zu Greifensteig

„Nun Männer, Soldknechte, dass ich mich nicht euretwegen schämen muss, bei der gebenedeiten Jungfrau, das sind gepflegte Gesellen diese Greifensteiger und es wird bestimmt auch so manches andere noble Volke auf dem Schlosse Limberg anwesend sein, also zügelt eure Trunksucht, beherrscht eure Triebe, bedenket eure Taten, machet der Compania alle Ehre …“

 Na was der scho wieder fürn Schaas erzählt, geht da vorne an der Spitzn von der Truppn, na klan is der vielleicht, und hört nit auf zu reden der Hauptmann, a komischer Kerl der, aber von Stand. Merken tuat a a nit des i und der Tregenreuter scho wieder an Sitzen ham, aber des Bier is ja wirklich zu gut, und was sollst n sonst tuan wennst den halben Tag in der Gegend ummakutscht. Jetzt kommt der Syml schon wieder her zum Wagen, schaut kurz ob der Hauptmann nix merkt, na der merkt nix, und schnappt sich an Weinschlauch, der hat heut a scho so einiges getrunken, so schaut er ja a aus, naja eigentlich send ja schon wieder alle von der Truppn so richtig beduselt. Nur de Rosemarie und der Frowin, de gehen a bissl abseits und redn über irgendwelche handwerklichen Techniken, komisches Zeugs halt wos a anfacher Soldknecht wie i einer bin garnit wissen muss und will, nur der Gamaret geht schweigend neben denen her, der scheint da a bissl zu lauschen, den intressiert so was anscheinend, aber er is ja a Feldwaibel.

„A verdammte Scheisse Tregenreuter, kannst nit aufpassen“, der fahrt vielleicht an Scheiss zam der Koch, schon wieder in a Loch eine. Und jetzt hab i ma a noch mei Hand anghaut, aber de Straßen is vielleicht a Dreck, dass ma sowas überhaupt Strassn schipft, überall Löcher, Gatsch und Schnee. Der Tregenreuter schaut mi nur an und grinst, die Zügel hat er sowieso nit in der Hand, weil mit der muss er ja sein Humpen halten und die Pferd werden schon von allein gehn. An seinen Augen seh i dass er schon wieder angsoffen is … oder noch immer?

 „Eiserne Disziplin, Kampfgeist, Pflichterfüllung, Selbstbeherrschung, unerschütterlicher Glaube an unseren Allmächtigen und waffentechnisches Können – das ist es, was in unserer Söldnertruppe und jedem einzelnen Knechte erstrebenswert ist. Weiters erscheint mir wichtig eine gepflegte Umgangsweise, nun man sollte auch so einiges an Wissen haben, des Lateins sich bemächtigen, der Mathematik, der Lehren des Polybios und Vegetius …“

 Des is vielleicht a komischer, weltfremder Kerl unser Hauptmann, i muss grinsen, wie der da vorne marschiert und uns irgend nen Schwachsinn zu predigen versucht, und hinten laufen die Leut zum Wagen her und holen sich Bier falls ihres leer is, na und i und der Tregenreuter sitzen direkt bei der Quelle, des kann nit gut gehen denk i mir.

Nun, weit kann es nicht mehr sein bis zum Schlösschen Limberg, das kleine Örtchen Schwanberg, das laut Wegbeschreibung ganz in der Nähe liegen soll, haben wir schon passiert. Also is es auch nicht mehr weit bis zu einem beheiztem Festsaal voller gut gelaunter Gäste, einem Festmahl von mehreren Gängen, und einer Sauferei die sich gewaschen hat. Die Gedanken an einen heiteren Abend vertreiben mir die Kälte aus den Gliedern und zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen. Nur schad, dass der Flink noch immer nit von der Taggenbrunn zrück is, jetzt is der schon fast ne Wochn weg, einen Tag hat er gmeint dass er brauchen wird, na und wo is er jetzt. Der Frowin hat´s an nem halben Tag gschafft der Teufelskerl, und ich hab mir mit den Wetten gutes Geld verdient.

 „Nun seht euch dieses kleine, wehrhafte Schlösschen zu unserer Rechten an, da könnte ein Heer von tausenden und zigtausenden Osmanen anstürmen und wir würden es mit Leichtigkeit Jahrzehnte halten, natürlich nicht vergleichbar mit unserer guten Taggenbrunn, mit ihren vier gewaltigen Wehrtürmen, einer besseren strategischen Lage, massiven Vorwerken, höheren Mauern, durchdachterer …“

 Ich seh mir des kleine Schlösschen an, ein kleines Schlösschen eben, aber der Hauptmann scheint recht begeistert zu sein. Nun gefallen tuts mir auch, weil ich ganz genau weiß, dass es am heutigen Abend und Nacht da drin noch anständig zur Sache gehen wird. Ich stoß den Tregenreuter an und der lässt seinen Humpen hinterm Kutschbock verschwinden, ich mach´s ihm nach und auch die anderen kommen einer nach dem anderen und lassen ihre Trinkgefäße verschwinden. Was jetzt kommen wird is mir klar, Truppeninspektion durch den Hauptmann, schließlich wollen wir ja kein schlechtes Bild abgeben, wenn wir schon einmal zu einem Feste geladen sind, wo so viel hochgeborenes Volke anwesend ist. Ach Quatsch.

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