Tag des Hl. Saturninus im Wintermonat Anno Domini 1453
Bäh! Beschissener Morgen, denk ich mir und mach die Augen auf. Schon wieder bin ich viel zu früh aufgewacht, der bekloppte Hauptmann macht Lärm im Zelt, kramt in seiner Kiste. Ich frag ihn erst gar nicht, was der Unfug soll, um mir ein elend langes Gerede zu ersparen. „Morgen“ sag ich der Höflichkeit halber, „Ihr seid aber früh wach Herr Hauptmann“ murmel ich. Motiviert blickt er zu mir und antwortet viel zu laut „ Ha! Guten Morgen mein getreuer Feldwaibel! Ich bin schon lange wach, schließlich gibt es wie immer einiges zu tun!“. „Sicher, sicher …“ sag ich und versichere ihm was für ein toller Hauptmann er doch sei. „HA! Natürlich, ich bin froh, dass du meine Bemühungen zu schätzen weißt! Das freut mich!“ Er fragt mich ob ich ihn nicht zu seinen Schwertexercitia und den Körperertüchtigungen begleiten möchte. Ich lehne dankend ab und erzähl ihm was von wegen Pflichten hier im Lager. „Ausgezeichnet! Der Feldwaibel muss mit einem guten Beispiel voran gehen!“ sagt er und verlässt das Zelt. Irgendwann schneid ich dem die Kehle durch, der hat doch nen Schatten denk ich mir und setz mich auf.
Nach einiger Zeit hab ich mich schließlich gefasst und ich raffe mich auf, geh durch das Lager. Erbärmlich wie Hemml mit seinem dummen Köter da am Lagerfeuer kauert. Es ist fast rührend wie sich der Flohfänger an ihn schmiegt und ich verharre einen Augenblick bei den Beiden. Ich bin mir nicht ganz sicher wer dümmer aussieht, der versoffene Provost oder sein feiger Köter. Irgendwann schneid ich ihm seine Kehle durch, ihm und seinem feigen Köter. Angewidert von dem Anblick wende ich mich ab und schlendere weiter. Weg von dem stinkigen Lager und den Narren die dort noch selig in ihrer Torheit schlummern.
Allein im Wald setz ich mich erst mal hin und atme tief durch, was für ein beschissener Tag, denk ich mir und stopf erst mal die Pfeife. Der Rauch schmeichelt der Kehle und wärmt den abgekühlten Körper von innen her auf. „Ah, das tut gut“ sag ich zu mir selbst und mach mich auf den Rückweg zum Lager.
Dort angekommen schau ich mich um und bemerke das der Provost und sein Köter verschwunden sind, dafür steht Syml mit einem Humpen in der Hand am Lagerfeuer. Ich stell mich dazu und wir reden über das gestrige Gelage. Wir lästern, trinken und hecken Grausamkeiten gegen den dummen Köter aus. Manchmal glaub ich, dass Syml der einzig Normale in dem ganzen dreckigen Haufen ist. Er säuft und redet wie ein Kerl und was noch wichtiger ist, er flucht! Ich vertraue keinem, der nicht flucht, denn ein Mensch der nicht flucht, mit dem stimmt was nicht.
Doch er hat jetzt schon das dritte Mal beim Messerwerfen gewonnen. Ich komm irgendwie nicht damit klar und meine Laune verschlechtert zusehends. Und dann noch seine rotzfrechen Kommentare und sein überhebliches Grinsen. Irgendwann schneid ich ihm die Kehle durch, denk ich und lass mir meinen Unmut nicht anmerken.
Ich konzentriere mich, halte kurz inne und werfe … voll daneben. Syml grinst, die Neuen und der Koch lachen laut auf. Scheinbar haben sie uns schon länger beobachtet. Arschlöcher, irgendwann schneid ich ihnen die Kehle durch, denk ich und mach mich daran das verschossene Messer im Schnee zu suchen.
Hemmel ist jetzt scheinbar aufgewacht und markiert bei den neuen den Dicken. Syml und ich kennen das schon von ihm, müssen aber trotzdem beide schmunzeln. Veit, Flink und der Feldscher sind jetzt auch aufgewacht und gesellen sich dazu. Flink hält sich heute mal wieder für besonders witzig und langweilt alle mit seinen kleinen Kunststückchen. Verdrossen von dem Schauspiel schweige ich und denk daran ihm irgendwann die Kehle durchzuschneiden. Ich trinke einfach mehr um das durchzustehen.
Ich bin jetzt schon ordentlich besoffen und plötzlich ist alles gar nicht mehr so schlimm, wärmer ist es scheinbar auch geworden, obwohl es schon dunkel wird. Ich setz mich mit Veit zu den hässlichen Weibern aus dem Dorf und beschließe heute einen vergnüglichen Abend in der Scheune mit ihnen zu verbringen. Es dauert nicht lange und schon er ist damit beschäftigt sie abzufüllen. Immer wieder wirft er mir einen siegessicheren Blick zu und ich muss ob der Einfalt der Weiber schmunzeln.
Syml und Hemml singen stockbesoffen Lieder und der Koch schläft am Tisch. Wo Flink unterwegs ist will der Feldscher von mir wissen. „Keine Ahnung wo der sich wieder rumtreibt“ und frag mich, ob er mich mit der Frage wohl provozieren will. Würd dem Kerl am liebsten hier und jetzt die Kehle durchschneiden, doch ich musste die Erfahrung machen das sowas bei den anderen Knechen nicht besonders gut ankommt, also lass ich es bleiben und trink lieber noch was. Kurz danach nicke ich ein.
Als ich aufwache sind die meisten verschwunden. Hemml schläft neben mir am Tisch und Syml grinst mich unverschämt besoffen an und reist Witze über uns alle, da wir laut ihm „NICHTS vertragen und Mädchen sind.“ Gottverdammt hat der Kerl alleine durchgehalten und weitergetrunken? Obwohl ich ihn jetzt schon lange kenne, bin ich immer wieder erstaunt über seine Trinkfestigkeit. Was mir jedoch noch mehr stinkt, ist der Fakt, dass sich Veit alleine mit den Weibern aus dem Staub gemacht hat, während ich mir meine wohlverdiente Ruhe gegönnt habe.
Nicht schon wieder! „Irgendwann schneid ich ihm die Kehle durch!“, sag ich zu Syml und mach mich auf den Weg zum Zelt bevor der Hauptmann hier aufkreuzt. Ich will mit der ganzen Sache nichts zu tun haben und war gänzlich unbeteiligt an dem Treiben im Lager. Ich deck mich zu und schließe meine Augen. Ein Seufzen kommt über meine Lippen. War ein richtiger Scheiss-Tag, denk ich mir und schlaf ein.
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